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12.05.2019 - Offene MDM Mehrkampf U18/U16
 
Mehrkämpferin Johanna Siebler vom LC Überlingen auf dem Weg zur EM
Erster Meilenstein ist absolviert

Persönliche Bestleistung, EM-Norm und Badischer Rekord: Siebenkämpferin Johanna Siebler mit überzeugendem Wettkampf in Halle (Saale).
Dauerregen, extrem böiger Wind und Kälte: Das waren die Voraussetzungen am Wochenende in Halle (Saale) beim Norm-Wettkampf der Mehrkämpfer in Halle (Saale). Widriger hätten die Voraussetzungen kaum sein können für Johanna Siebler vom LC Überlingen, die sich in der Klasse U20 den ersten Teil der Qualifikation für die Europameisterschaft in Schweden sichern wollte. Das große Ziel hieß 5400 Punkte.
„Es waren wirklich Extrembedingungen“, erinnert sich die 18-Jährige. „Dennoch kam ich erstaunlich gut in den Wettkampf.“ Über 100 Meter Hürden legte sie mit 14,28 Sekunden eine beachtliche Leistung hin. Vor allem im Hochsprung erwartete Johanna Siebler eine Steigerung, da sie sehr viel in dieser Disziplin gearbeitet hat. Allerdings war die nasse Bahn ein großer Nachteil. Insofern waren die erreichten 1,60 Meter ein respektables Ergebnis.
Auch im Kugelstoßen hat die Überlingerin viel trainiert, doch der rutschige Stoßring bot eine zusätzliche Schwierigkeit. Dabei zeigte sie Nerven wie Drahtseile, denn erst im dritten Versuch schaffte sie 14,11 Meter und blieb damit auf Norm-Kurs. Beim abschließenden 200-Meter-Lauf half der starke Rückenwind auf der Zielgeraden und eine starke Konkurrentin zu einer Zeit von 25,45 Sekunden. Mit diesen Leistungen lag sie nach dem ersten Tag trotz den Bedingungen auf Kurs einer persönlichen Bestleistung.
Am zweiten Tag gab es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Sonne kam zwar raus, doch die Windböen wurden noch stärker und das Thermometer zeigte lediglich zehn Grad. Mit dem Weitsprung ging es los. Der erste Versuch war mit 5,37 Meter auf Sicherheit und den zweiten übertrat die Bundeskaderathletin. Doch auch hier war Johanna Siebler nervenstark, legte im letzten Durchgang noch einen Satz auf 5,72 Meter hin und blieb im Rennen um die EM-Norm.
Das Speerwerfen wurde zu einer Windlotterie. Die 44,10 Meter der 18-Jährigen war zwar klar die beste Weite des gesamten Teilnehmerfeldes, doch zur Bestmarke fehlte etwa ein Meter. „Ich habe den Abwurf einfach nicht hinbekommen“, sagte Johanna Siebler nach dem Wettkampf. Vor dem abschließenden 800-Meter-Lauf hatte sie gerade einmal 90 Punkte Vorsprung auf Lokalmatadorin Lucie Kienast, die ebenfalls um die EM-Norm kämpfte und die klar bessere Läuferin ist. „Ich wollte den Wettkampf unbedingt gewinnen und ging deshalb hochmotiviert in den Lauf“, so Johanna Siebler, die maximal sechs Sekunden einbüßen durfte – und sie schaffte es mit 2:26,47 Sekunden.
Am Ende holte sie nicht nur den Sieg mit 36 Zählern Vorsprung, sondern mit 5571 Punkten locker die EM-Norm. Außerdem stellte sie eine neue persönliche Bestmarke auf, verbesserte den uralten Badischen Rekord aus dem Jahr 1993 von Clarissa Altdörfer und knackte auch noch die Norm für den U-23-Bundeskader, der im Herbst nominiert wird. Mit dem Erreichen der Norm benötigt Johanna Siebler beim EM-Qualifiaktions-Wettkampf in Bernhausen lediglich einen Platz unter den ersten drei, um das Ticket zur Europameisterschaft zu sichern. „Ich bin absolut zufrieden und weiß, dass ich noch einiges an Potential habe“, so die 18-Jährige.
Völlig beeindruckt von der Leistung war Trainer und Vater Bernd Siebler, der sie vor Ort betreute: „Ich habe unter solchen Witterungsverhältnissen noch nie einen Wettkampf gemacht. Umso großartiger ist es, dass Johanna so eine Leistung abrief.“ Sie sei hoch professionell gewesen und habe sich unglaublich auf jede Disziplin fokussiert. „Es ist fantastisch, so früh in der neuen Saison so top zu sein und den Badischen Rekord zu brechen“, freute er sich. „Wir wissen jetzt, was wir tun müssen. Ich bin sicher, dass 5700 Punkte nicht unrealistisch sind, was die Norm für den Perspektivkader für Olympia bedeuten würde.“

  Autor: R. Jäckle